Narkose

Wann ist eine Narkose notwendig?

Die erste Untersuchung der Maulhöhle erfolg selbstverständlich ohne Narkose. Dabei kann ich in etwa einschätzen, was gemacht werden muss; manches offenbart sich aber auch erst bei einer Untersuchung in Narkose wie das Ausmaß einer FORL-Erkrankung oder Karies beim Hund.

Sobald ein Befund da ist – z.B. Zahnstein – ist eine Narkose erforderlich. Kein Hund und keine Katze läßt sich Zahnstein im wachen Zustand entfernen. Die Behauptung, dass dies möglich sei (Hundefriseur), ist als tierschutzrelevant einzustufen. Eine Reinigung der Zähne, die einen gesundheitlichen Nutzen haben soll, umfaßt ein Ultraschall-Scaling des Zahnes und der Zahnhälse, evtl. eine Wurzelkürettage, eine Politur (damit sich nicht sofort wieder Zahnstein am durch das Scaling aufgerauten Zahn anhaftet) und evtl. die Extraktion nicht mehr erhaltungsfähiger Zähne. Nur dann ist dem Tier wirklich geholfen!

 

Welche Narkose ist die richtige für mein Tier?

Anästhesie/ Narkose ist einer meiner drei Hauptinteressensschwerpunkte, sowohl fortbildungstechnisch als auch von der Ausstattung her.

Ich kann daher fast jede denkbare Narkoseform anbieten, inklusive Beatmung, was sehr wichtig ist, weil damit Atemstillstände während der Narkose komplett ausgeschlossen sind. Dies ermöglicht zudem den Einsatz von Opioiden während der Narkose. Das sind die stärksten Schmerzmittel überhaupt, sie schalten den Schmerz komplett aus, verlangsamen aber die Atmung bis hin zur Lähmung. Ihr Einsatz erfolgt bei jedem stark schmerzhaften Eingriff, aber nur in Verbindung mit maschineller Beatmung.

Ein junges, gesundes Tier, das bereits etwas Zahnstein und Zahnfleischentzündung hat, sieht z.B. einer halbstündigen, nicht schmerzhaften Zahnsteinentfernung und Politur entgegen. Die Narkose ist in diesem Fall zu Hause machbar, mit einer „Spritze in den Popo“ ist es meist getan. Das Tier erhält eine Infusion, um die Narkose gut wieder auszuspülen, wird warm gehalten und bekommt bei Bedarf eine Aufwachspritze.

Die Kosten für eine solche „Minimalnarkose“ sind sehr gering.

Ein älteres Tier mit weitreichenden Entzündungen des Zahnhalteapparats, die oft unter massivem Zahnstein entstehen und die Extraktion der betroffenen Zähne erforderlich machen, benötigt eine längere Narkose. Diese kann nur in der Praxis stattfinden.

Sie läuft bei einem Hund in etwa folgendermaßen ab:

  1. Der Hund bekommt eine Spritze im Beisein von Herrchen oder Frauchen (oder beiden).
  2. Sobald er müde wird, verabschieden sich Herrchen und Frauchen.
  3. Der Hund bekommt dann einen venösen Zugang (ein kleiner Pastikschlauch in der Vene), durch den die eigentliche Narkose eingeleitet wird.
  4. Anschließend wird er intubiert, bekommt also einen Schlauch durch den Kehlkopf geschoben, durch den er anschließend Narkosegas und Sauerstoff einatmet und gegebenenfalls beatmet wird.
  5. Zusätzlich wird bei allen schmerzhaften Eingriffen an den Zähnen lokal betäubt, wie das auch beim Zahnarzt geschieht. Schmerzen sind daher ausgeschlossen.
  6. Die Narkose wird von einer Hilfsperson überwacht und protokolliert.
  7. Vor dem Aufwachen bekommt der Hund noch ein Scherzmittel, das bis zum nächsten Tag wirkt und Sie bekommen für einige Tage Schmerztabletten für Ihren Hund mit.

Bei der Katze verläuft die Prozedur ähnlich, nur wird hier die Narkose ohne Herrchen und Frauchen eingeleitet.

Da Katzen durch den Transport oft schon sehr gestresst sind, hat es sich als günstig erwiesen, wenn Sie die Katze bereits sehr früh morgens „abliefern“ und sie dann ca. eine Stunde später die Narkosespritze erhält. Sie schläft dann wesentlich schneller ein, weil sie nicht mehr so aufgeregt ist von der Fahrt.